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16. März 2024

Ex-Optisegler Viivi und Anton racen um den Globus: Die Etappe rund um Kap Hoorn (5)

17. März 2024 – OCEAN GLOBE RACE 2023/24 – rechts auf dem Tracker die GALIANA WITHSECURE mit DER “Krone” der führenden Yachten

Anton und Viivi mit ihrem Skipper Tapio Lehtinen in Punta del Este

Am 16. März, 11 Tage nach dem Start der 4. Etappe des OCEAN GLOBE RACE 2023/24 (OGR) in Punta del Este, liegt die finnische Yacht GALIANA WITHSECURE in der Spitzengruppe. Seit dem vergangenen September begleiten wir die SWAN 55 bei ihrer Regatta rund um die Welt. Denn: An Bord der ältesten Yacht mit der jüngsten Crew des Rennens sind mit Anton Eklund (26) und Viivi Moisio (21) zwei ehemalige Optisegler.1553 Seemeilen hat die 1970 gebaute Yawl auf der aktuell laufenden Abschluss-Etappe der Regatta rund um den Globus zurückgelegt. Bis zum Ziel in Cowes/Südengland sind es noch 4946 Seemeilen. Mitte April wird die gesamte OGR-Flotte in Cowes erwartet. Im September 2023 fiel hier der Startschuss für den 27.000 Seemeilen-Sprint um die Welt, damals mit 14 Hochseeyachten, heute sind es noch 13. In Punta de Este/Uruguay, vor der 4. Regattaetappe, gaben uns Anton Eklund und Viivi Moisio ein weiteres  Interview. Dabei ging es um den heißesten Ritt durch den Südatlantik und rund Kap Hoorn.

Das Interview wurde in Englisch geführt und ins Deutsche übersetzt.

  • Die Etappe von Auckland nach Punta de Este mit der Umrundung der Südspitze Südamerikas galt als die Herausforderung des OGR. Das Meer zwischen Pazifischem und Atlantischem Ozean mit unberechenbarem Wind und Strömungen gilt als das gefährlichste Seerevier der Welt. Was habt ihr vor Kap Hoorn erlebt?

    Angekommen an der Südspitze Südamerikas, dem Kap der Stürme. Hinter Viivi und Anton die Isla de Hornos mit dem Kap Hoorn (55 59′ Süd und 67 14′ West). Hier steht ein Denkmal mit einer Albatros-Statue. Über 800 gesunkene Schiffe liegen auf dem Grund vor der Insel, es sind mehr als 10.000 Menschen ertrunken.

Viivi/Anton: Kap Hoorn war das beeindruckendste Erlebnis der 3. Etappe. Wir waren bei Tageslicht dort und das war super schön, weil wir den Felsen und den Leuchtturm wirklich gut gesehen haben. Der Wind war ziemlich stark und die Wellen waren groß, also fühlte es sich an wie ein echtes südliches Meer. Wir haben eine Menge Fotos gemacht und diesen legendären Moment genossen. Nach Kap Hoorn flaute der Wind ab, und wir trieben dort ein paar Stunden lang. Glücklicherweise kam der Wind nach einer Weile zurück und wir konnten unsere Reise fortsetzen. Wir waren nervös, als wir uns dem Kap Hoorn näherten. Aber alles ging gut und wir konnten es in vollen Zügen genießen. Kap Hoorn ist ein cooler Ort. Er symbolisiert auch die “Heimkehr in den Atlantik”. Und ehrlich gesagt, gab es während der dritten Etappe nicht viel zu sehen auf

Crew-Logo der GALIANA WITHSECURE – ein Albatros

dem offenen Ozean.

  • Wo habt ihr auf der Etappe Auckland-Punta del Este die schwierigsten Segelbedingungen vorgefunden? Welche Segel hattet ihr gesetzt?

Ehrlich gesagt hatte ich nicht erwartet, dass die schwierigsten Momente nach der Umrundung des Kap Hoorns sein würden. In unserer letzten Woche auf halbem Weg zwischen den Falkland-Inseln und Punta del Este hatten wir sehr starken Wind und große Wellen, und das war das erste Mal, dass wir unser viertes Reff und nur ein kleines Stagsegel benutzten. Ein plötzlicher Sturm traf uns ohne Vorwarnung. Wir hatten 24 Stunden lang über 50 Knoten Wind. Erschwerend kam hinzu, dass wir durch ein Gebiet segelten, in dem es viele chinesische Fischerboote gab. Mitten in der Nacht waren überall Boote, und wir mussten ihnen aus dem Weg gehen, um keinen Unfall zu verursachen. Zum Glück ging alles gut.

Die GALINA WITHSECURE mit kleiner Besegelung – Anton und Viivi haben Wache

  • An Bord der GALIANA WITHSECURE gibt es mit dir, Viivi, und Alexander von Flittner einen weiteren Segelmacher. Das ist eine ziemlich ideale Besetzung. Gab es auf der letzten Fahrt Segelreparaturen oder andere Arbeiten, bei denen ihr mit eurem Fachwissen genau richtig wart? Nach dem Regatta-Reglement dürfen Segel nicht von lokalen Segelmachern in den Häfen repariert werden. Beschreibt euren Einsatz.

Wir haben fast alle Galiana-Segel während der Regatta repariert, was für mich sehr lehrreich war. Auf der letzten Etappe ist unser bester schwerer Spinnaker gerissen, aber zum Glück konnten wir das Segel noch auf See reparieren. Das hat zwölf Stunden gedauert, dann waren wir mit dem schweren Segel wieder im Geschäft. Ein Segel auf See zu reparieren ist schwieriger, weil der Platz begrenzt ist und sich das Boot bewegt, aber die Aufgaben sind die gleichen. Zuerst muss das Segel getrocknet werden, dann werden alle kaputten Teile herausgeschnitten. Dann wird das Segel mit Spezialklebeband geklebt und mit der Nähmaschine zusammengenäht, um es zu verstärken. Wenn das Segel nicht zu stark beschädigt ist, sieht es oft wieder fast wie neu aus.

  • Wie sah für euch ein normaler 24-Stunden-Bordtag aus?

 Anton: Ich wurde für meine Nachtschicht etwa 40 Minuten vor Beginn der Wache geweckt und zog alle meine Sachen an. Auf dieser Etappe brauchte ich mehr Zeit, da es kälter war und ich daher mehr Zeit brauchte, um so viel Kleidung anzuziehen. Wenn keine Dringlichkeit wegen eines Segelwechsels bestand und ich Zeit hatte, aß ich ein paar Snacks, um Energie zu haben, und man weiß ja nicht, ob man während der Wache Zeit zum Essen hat.

Bevor ich an Deck gehe, überprüfe ich die Seekarten, um zu wissen, wo wir uns befinden, und ich lese das Logbuch, um zu wissen, wie sich der Wind und die Segel verändert haben. An Deck sind wir mindestens drei Personen und ich bin einer der Wachkapitäne. Wir arbeiten zusammen und besprechen, was wir tun wollen, aber wenn es schwierig ist, muss ich letztendlich die Entscheidung treffen. Wenn ich von der Wache komme, esse ich noch etwas, fülle das Logbuch aus und gehe dann entweder schlafen, oder wenn es Zeit für einen Funkruf ist oder ein Wetterfax kommt,

Anton bereitet sich unter Deck auf seine Wache vor, im Hintergrund Skipper Tapio Lehtinen

bleibe ich auf und kümmere mich darum. Wir teilen uns auch die Reinigungs- und Kochaufgaben. Es ist wichtig, so viel wie möglich zu schlafen, denn man weiß nie, wann man keine Zeit zum Schlafen hat, aber wenn ich überhaupt nicht müde bin, lese ich vielleicht ein Buch oder sitze einfach im Salon und unterhalte mich mit jemandem. An einem Tag hat man Zeit für drei Wachen, und die maximale Zeit zum Schlafen beträgt im besten Fall etwa 6 Stunden, manchmal aber auch nur 2 Stunden, bevor man von jemandem geweckt wird.

Viivi: Ich schlafe gern und viel, deshalb muss ich meist schnell an Deck, um pünktlich zu sein:) Vor meiner Wache werfe ich gern einen kurzen Blick auf die Seekarten, um zu sehen, ob es Informationen darüber gibt, was in den letzten Stunden passiert ist, und dann gehe ich an Deck und mein Wachhabende erzählt mir, wie der Wind und die Wellen sind und wohin wir im Allgemeinen fahren. Nach der Wache bleibe ich oft noch, um mir die Karte anzuschauen oder Radiosendungen zu hören. Manchmal bleibe ich auch, um zu plaudern, und dann bekomme ich weniger Schlaf.

  • An Bord benötigt ihr mehr Kalorien als an Land. Ihr seid ständig in Bewegung, auch nachts, und leistet viel körperliche Arbeit mit den Segeln und am Steuer. Wie viele Mahlzeiten habt ihr in 24 Stunden eingenommen? Was habt ihr gegessen? Gab´s auch Süßes? Und womit habt ihr euch in Stresssituationen wieder aufgebaut?

Wir haben alle 24 Stunden drei “warme Mahlzeiten”. Morgens essen wir Brei mit vielen verschiedenen “Zusätzen”, je nach individuellem Geschmack. Zum Beispiel: Eiweißpulver, Zucker, Honig, Olivenöl, Rosinen, Marmelade, Erdnussbutter, Zimt usw. Jeder mischt seinen Brei anders, um einen anderen Geschmack und genügend Energie zu bekommen. Dann gibt es Mittag- und Abendessen, entweder gefriergetrocknete Nahrung aus Beuteln, die nur noch mit heißem Wasser aufgegossen werden muss, oder wir kochen Zutaten aus Dosen und dem Kühlschrank. In der ersten Woche auf See haben wir auch einige frische Lebensmittel dabei. Mauri aus unserer Crew hat die Pläne und den Speiseplan gemacht, aber wir ändern ihn je nach Wetterlage, denn manchmal ist es gar nicht so einfach, bei Sturm zu kochen. Außerdem haben wir viele verschiedene Snacks dabei, die die Crew jederzeit essen kann. Immer gibt es frisches und getrocknetes Obst.

  • Das Leckerste „freeze dried food“war?

Jedes Besatzungsmitglied hatte seine eigenen Vorlieben, aber am beliebtesten schienen “Chicken Tikka Masala”, “Beef Stroganoff” und “Forest Stew” zu sein. Aber auch die weniger schmackhaften gefriergetrockneten Speisen konnten alle durch Zugabe von Soßen wie Mayonnaise, Ketchup oder Sriracha oder durch Abschmecken verbessern. Aber wie zu Hause ist es wichtig, nicht immer das Gleiche zu essen.

  • Nicht nur einige, sondern alle standen am Ruder der GALIANA WITHSECURE.

Das Prinzip des Skippers Tapio Lehtinen: Ständig die Augen und den Verstand aller an Bord nutzen, nicht nur die des Skippers oder des Wachleiters. Es ist ein gutes Prinzip und macht das Segeln viel interessanter, spaßiger und letztendlich auch erfolgreicher. Wir beendeten die 3. Etappe auf Rang 2 in unserer Adventure – Gruppe und auf Rang 3 in der IRC Wertung. Es geht um Teamarbeit, und jedes Teammitglied ist ein wichtiger Teil des Erfolgs. Deshalb ist es von Vorteil, wenn jeder seine Stärken und seine Konzentration einsetzt. Es ist wichtig, dies von Anfang an zu tun, damit jeder die Chance hat, sich zu entwickeln und alle Fähigkeiten zu trainieren.

  • Ihr seid jetzt seit Anfang September, also seit 7 Monaten  mit einem 12köpfigen Team unterwegs und lebt auf engem Raum miteinander. Bei den meisten Crews bei diesem OGR gab´s mehr „Personalwechsel“.  Wie habt ihr das Zusammenleben an Bord gemeistert ?

    Gutes Wetter und Zeit, einen Bord-Geburtstag zu feiern – die GALIANA Crew im Cockpit versammelt

    Das Leben an Bord auf engem Raum erfordert Planung und klare Kommunikation. Wenn man müde oder hungrig ist, kann es leicht passieren, dass man sich über die anderen Besatzungsmitglieder ärgert, aber es ist wichtig, dass man sich gegenseitig unterstützt. Die Tatsache, dass wir uns schon so lange kennen, trägt dazu bei, dass wir wissen, wie man zusammenlebt. Der Mangel an persönlichem Freiraum ist manchmal schwierig, da man nirgendwo hingehen kann, um allein zu sein, aber nach einer Weile gewöhnt man sich daran.

  • Wie habt ihr die 16 Tage in Punta del Este verbracht? Die GALIANA musste auf die nächste Regattaetappe vorbereitet werden. Gab es auch Zeit für Ausflüge? Habt ihr auch mal die Möglichkeit des Alleinseins  genutzt? An den meisten Tagen wurde am Schiff gearbeitet.

    Auch wenn wir auf der 3. Etappe nichts Großes kaputt gemacht haben, gibt es immer viele Kleinigkeiten zu reparieren und zu verbessern. Das Boot musste auch gereinigt und getrocknet werden, da die letzte Etappe ziemlich nass und schwer war. Aber wir hatten auch Zeit für andere Dinge, wir sind durch Uruguay in andere Städte gefahren, um mehr von dem schönen Land zu sehen, und wir sind am Strand baden gegangen. Die Organisatoren hatten auch ein paar nette gesellschaftliche Veranstaltungen und eine Preisverleihung organisiert, wo wir uns mit anderen Seglern treffen und unterhalten konnten.

    Dramatischer Start bei der 4. Etappe des OGR in Punta del Este: Crash mit Tonnen, Person über Bord – am Ende alles gut geregelt. Bildmitte: GALIANA WITHSECURE
    Credit: Aida Valceanu / OGR2023

Interview: Birgitt Müller-Genrich/OPTI CLASS GER Öffentlichkeitsarbeit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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