Interview mit dem 2026 IDJM-Wettfahrtleiter Kai Bertallot – Sein IDJM-Wunsch: Eine tolle Zeit an Land und auf dem Wasser (1)
Heute wird die Internationale Deutsche Jugendmeisterschaft Optimist 2026 eröffnet. Die letzten Tage vor Beginn dieser großen Regatta waren für die 231 Optisegler/-innen und das IDJM-Wettfahrtteam des Kieler Yacht-Clubs mit Wettfahrtleiter Kai Bertallot und Organisationsleiter Philipp Sudbrack sehr aufregend. Wurde an alles gedacht? Ist alles organisiert? Wir möchten euch heute den IDJM-Bahnchef Kai Bertallot vorstellen.
Er kennt die Opti-Klasse aus eigener Erfahrung. Seine eigene Opti-Zeit endete vor 22 Jahren. Danach segelte er 420er, 470er, Laser und 505er sowie J70 in der Bundesliga. Doch der Opti ließ ihn nicht los und beschäftigt ihn bis heute. Sein Freiwilliges Soziales Jahr nach dem Abitur verbrachte er beim Flensburger Yacht-Club, wo er unter anderem mit Optiseglern zusammenarbeitete. Während seines Lehramtsstudiums leitete er die Opti-Sparte im Kieler Yacht-Club. Es folgten 7,5 Jahre als hauptamtlicher KYC-Cheftrainer. Er organisierte die Jüngsten- und Regattagruppe mit 160 aktiven Sportlern. Aktuell findet er neben seiner Arbeit als Gymnasiallehrer immer noch Zeit, den KYC-Segelnachwuchs im Opti zu betreuen.
OPTI CLASS GER: Wie sah dein erster Opti und dein erstes Segelrevier aus?
Mein allererster Opti war ein Holzopti, den ich schon mit sechs Jahren bekommen habe. Mein Vater hat den damals liebevoll instandgesetzt. In der ersten Zeit hat der Opti aber eher zum Paddeln und Rudern in meinem Heimatverein gedient, dem Hannoverschen Yacht-Club am Steinhuder Meer, bevor es dann mit dem Rigg und dem richtigen Segeln losging. Als ich dann so richtig mit meinen ersten Regatten loslegte, segelte ich ein Boot namens „Idefix“ mit der Segelnummer 7441. Das Boot hat mich sehr lange durch meine gesamte Opti-B-Zeit begleitet.
Wie hast du dich für deine erste IDJM qualifiziert? Wo fand sie statt?
Nach meinem Umstieg auf Opti A habe ich mich recht schnell für die sehr windige Meisterschaft am IJsselmeer 2002 qualifiziert. Diese Veranstaltung ist mir besonders in Erinnerung geblieben, zum einen, weil es meine allererste Meisterschaft war, zum anderen, weil das Revier mit seiner steilen Kabbelwelle bei viel Wind so seine ganz eigenen Herausforderungen mit sich bringt, auf die ich damals noch nicht richtig eingestellt war.
Welche deiner Segelerfolge im Opti sind dir besonders wichtig?
Um die Frage zu beantworten, muss ich ein wenig ausholen, denn der Qualifikationsmodus für WM und EM hat sich seit meiner Optikarriere sehr oft geändert. Zu meiner aktiven Zeit gab es zunächst eine Qualifikationsregatta für das Finale der besten 60 Boote, bevor man sich überhaupt für die WM oder EM qualifizieren konnte. Bei dieser Qualifikationsregatta, die am Gardasee stattfand, konnte ich einen herausragenden 8. Platz belegen, auf den ich wirklich sehr stolz bin. Da man seine Platzierung aus der Vorregatta zweifach mit ins Finale nahm, waren das schon einmal sehr gute Voraussetzungen. Leider hat es dann im Finale nicht mehr zur Quali für die WM oder EM gereicht. Dennoch ist das eines der Ergebnisse und eine der Regatten, die mir wirklich in Erinnerung geblieben sind.
- IDJM Wettfahrtleiter Kai Bertallot …
- So verlief seine weitere Opti-Zeit
- Der letzte Opti: GER 11062
Dein aufregendstes Erlebnis mit dem Opti war ….
Da könnte ich bestimmt ganz viel aufzählen. Aber wenn ich ehrlich bin: Die gesamte Optizeit war für mich einfach eine wirklich schöne Zeit, an die ich sehr gern zurückdenke. Ob es die Regatten am Gardasee, in Workum oder auf dem IJsselmeer waren, die Deutschen Meisterschaften in Flensburg oder Ribnitz, oder auch einfach die kleinen lokalen Regatten und ganz normalen Trainingstage, die Zeit mit den Freunden, an Land genauso wie auf dem Wasser, war einfach wunderbar.
Was ist das Wichtigste bei der Opti-Ausbildung?
Mit Spaß durch die Optilaufbahn gehen und nicht zu früh zu viel Leistungsdruck aufbauen. Das würde ich jedem raten. Zu viel Druck in den jungen Jahren ist eher hinderlich, wenn man die Freude an unserer tollen Sportart auch langfristig behalten möchte.
Was macht dir an der Arbeit als Opti-Trainer besonders viel Freude?

Kai Bertallot im Einsatz als Trainer mit KYC-Seglern beim 2025 Mosquito Cup – Foto: Ingvild Buchholz
Die strahlenden Augen und freudigen Gesichter im Training oder auf den Regatten, wenn die Kinder ihren Fortschritt sehen und kleine Erfolge feiern, das ist es, was mich am meisten begeistert. Dabei spielt es für mich keine Rolle, ob ich im Schnupperkurs als Trainer aktiv bin oder die Opti A trainiere. Das ist natürlich jeweils ein anderes Level und andere pädagogische Arbeit, aber egal in welcher Gruppe, man bekommt so viel zurück und hat einfach eine sehr schöne Zeit mit seiner Gruppe, diese beim „Wachsen“ zu begleiten.

Segel-Bundesliga 2026 – Die KYC-Crew: (v.li.) Niklas Schubert, Kai Bertallot (Steuermann), Paul Kübel und Paul Ingwersen (c) privat/ KYC
Dein Tipp für Opti-Regattasegler!
Schneller Bootsspeed erleichtert so manches 😊
Sind Opti-Regatten für den Wettfahrtleiter eine besondere Herausforderung?
2018 habe ich den Strander KÜZ wieder ins Leben gerufen und übernehme seitdem auch jährlich die Wettfahrtleitung bei dieser Regatta. Daneben bin ich aber auch immer wieder in der Juniorenliga oder der Bundesliga im Einsatz. Opti-Regatten empfinde ich dabei nicht als besondere Herausforderung, da mir meine Erfahrung und meine Perspektive als Trainer und Regattasegler sehr in die Karten spielen. Eine IDJM ist natürlich etwas anderes. Das macht man ja nicht „alltäglich“, und daher ist sie auch für mich etwas ganz Besonderes.
Was wünscht sich ein Wettfahrtleiter von Seglern und Trainern bei Regatten?
Da ich sowohl als Regattasegler als auch als Trainer jede Perspektive kenne, ist es mein Anspruch, den Seglern gemeinsam mit meinem Team tolle und faire Wettfahrten zu ermöglichen. Natürlich spielt der Wind nicht immer mit, wofür ein Wettfahrtleiter ja auch nichts kann. Es gilt oft die Regel: Wenn sich keiner beschwert, hat die Wasser-Crew wohl einen guten Job gemacht. Das wollen wir natürlich erfüllen, aber ich habe auch immer ein offenes Ohr für Anregungen. Durch meine aktive Trainerzeit kenne ich natürlich viele Trainer und freue mich immer über den Austausch.
Und was wünscht du dir für diese IDJM?
Für diese IDJM wünsche ich allen Beteiligten – egal, ob Segler, Helfer oder Begleitung – eine tolle Zeit auf dem Wasser und an Land. Ich werde mich bemühen, faire und spannende Wettfahrten zu ermöglichen. Ich bin gerne ehrenamtlich auf dem Wasser unterwegs, denn ich schätze den Austausch und das Miteinander im Helferteam sehr. Außerdem gibt es auf dem Wasser viele zufriedene Gesichter, wenn die Boote die Ziellinie überqueren. Das ist wirklich toll anzusehen, und das wünsche ich mir auch für diese IDJM. Ich wünsche allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern viel Erfolg!
(Interview: Opti Class GER Öffentlichkeitsarbeit/Birgitt Müller-Genrich)








